Dr.-Ing.
Wolfgang Lehne

Architekt BDB
 

Aufgaben als Architekt

BAUAUFNAHME UND BAUFORSCHUNG

Bauaufnahme

Der präzisen und umfassenden Aufnahme des baulichen Bestandes kommt im Vorfeld jeder umfangreichen Umbau- oder Instandsetzungsmaßnahme eine oft unterschätzte Bedeutung zu. Die intensive Kenntnis des Bauwerkes und seiner Ausstattung und seine zeichnerische, textliche und fotografische Dokumentation sind unerläßlich für eine denkmalgerechte Planung, die die spezifischen Bedingungen des Baudenkmales berücksichtigt.
Insbesondere beim geschädigten Bauwerk, dessen gefährdete Standsicherheit statische Sicherungsmaßnahmen erforderlich macht, gilt es, die vorbereitenden Untersuchungen mit Architekten, Tragwerksplanern, Fachingenieuren und Denkmalpflegern in einem Anamnesekonzept zu koordinieren. So lassen sich Informationslücken und Mehrfachuntersuchungen vermeiden. Ein erhöhter Aufwand in dieser Phase hilft manche nachträgliche Überraschung während der Bauarbeiten zu vermeiden und verbessert die Planungs- und Kostensicherheit.
Aus der gemeinsamen Definition der Ziele, des Umfangs und des Ablaufes der Untersuchungen ergeben sich u.a. Anforderungen an die darzustellenden Bauteile, an Meßverfahren, Darstellungstechniken und -genauigkeit. Das konventionelle Handaufmaß bildet die Grundlage der Erfassung des Bestandes. Es wird in unserem Büro unterstützt durch Nivellier, Theodolith und Panthograph; gezeichnet wird mit Bleistift und Tuschefüller - “hand-plotted” statt CAD.
Die komplexe Methode des Beobachtens, Messens und Zeichnens vor Ort ist zugleich ein Prozeß des Vertrautwerdens mit dem Bauwerk - eine vielschichtige Arbeitsweise, die ein berührungsloses Aufnahmeverfahren mit nachträglich zu interpretierenden Bildern und Meßdaten nicht ersetzen kann.
Eine Fortschreibung der Bauaufnahme während der Bauarbeiten wird besonders dann relevant, wenn Bauteile nur kurzfristig zugänglich sind oder abgetragen werden müssen.

Bauforschung

Die vorbereitende Bestandserfassung oder die Bauaufnahme führen mitunter zu Erkenntnissen, die eine tiefergehende Erforschung des Bauwerkes angeraten erscheinen lassen. Unabhängig von den Problemen der Schadensdiagnose und über die Dokumentation und Befundsicherung hinaus sind es Fragestellungen einer wissenschaftlich betriebenen Bauforschung. Dazu zählen sowohl übergeordnete gebäudekundliche und bauhistorische Themen, oder solche, die die Monographie eines Bauwerkes klären sollen.
Ausgelöst durch die Untersuchungen der statischen Sicherungsmaßnahmen am Turm der St. Johanniskirche in Lüneburg hat sich bei uns ein besonderes Interesse für die Erforschung und Erhaltung der überkommenen Sicherungskonstruktionen entwickelt. An diesem hochgotischen Kirchturm konnten weiterhin Erkenntnisse zu Konstruktion und Gestaltung historischen Backsteinmauerwerks gewonnen werden, insbesondere zu Gewölbekonstruktionen, Formsteinen, Glasierungspolychromie und Ziegelmarken.

Dr.-Ing. Wolfgang Lehne    Hennebergstraße 7   38102 Braunschweig   Tel.: 0531-79 64 70